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Daniela Bergschneider

Daniela Bergschneider

Daniela Bergschneiders Skulpturen wirken wie lebende Kreaturen, wie Organismen; diese wuchern, einmal an der Wand befestigt, ungefragt in vermeintlich sicheres Terrain. Wie Pilze oder gigantische Viren klettern sie an Oberflächen empor, verbreiten sich, trotzen jeder Schwerkraft. Sie nehmen den Raum ein, scheinen mit dem Betrachter um Luft zu konkurrieren. Es ist, als wohne ihnen ein eigener Wille inne, eine antike Weisheit, eine prähistorische Hartnäckigkeit.


Die organische Qualität ihrer Arbeit rührt von der Arbeitsweise Bergschneiders her – sie taucht zunächst stundenlang in die Beschaffenheit des jeweiligen Stoffes ein, experimentiert, entdeckt, hinterfragt, und schöpft aus allen Möglichkeiten, die das Material ihr bietet. Dabei bestimmt es die Art, wie sie arbeitet – sie lässt sich stets von dem führen, was ihr vorliegt, als würde sie hieraus eine Lebenskraft beschwören. Diese Sensibilität erfüllt ihre Werke mit einer hohen Sinnlichkeit, voller visueller und taktiler Informationen.


Hierbei ist es wichtig zu erwähnen, dass Bergschneider ausschließlich synthetische Stoffe mit hohem Plastikanteil verwendet, die für industrielle Zwecke gefertigt wurden. Daher kann die Künstlerin die Stoffe erhitzen, schmelzen, verbrennen, schneiden oder falten – sie transformiert die Materialien und ihren Ursprung und führt sie damit einer Neubetrachtung zu.


In The Savage Mind sagt Claude Levi-Strauss, die Zivilisation sei entstanden, als der Mensch begann, Pflanzen, Tiere oder Objekte abweichend von ihrer Natur zu verändern. Er nannte diesen Prozess Bricollage und erhob ihn zur “ersten Wissenschaft”. Folglich erschafft auch Daniela Bergschneider Bricollage; sie verarbeitet Textilien, und verändert hierbei ihren Nutzen.


Dabei ist es der Künstlerin ganz offensichtlich wichtig, Spannungen zwischen den Gegensätzen zu erzeugen; Bergschneider positioniert sich zwischen dem Anorganischen und dem Organischen, dem Natürlichen und dem Künstlichen, dem Mikro und dem Makro (einige ihrer Skulpturen erinnern an gigantische Mikroorganismen, zwischen dem Handwerk (ihre manuelle Arbeitsweise ist langsam und repetitiv) und dem Industriellen ihre verwendeten Stoffe), zwischen Schutz (dem eigentlichen Nutzen der Stoffe) und Bedrohung (dem Gefühl, das ihre Kreationen erzeugen) und, natürlich, zwischen dem Schönen und dem Abschreckenden (ihre Werke ziehen gleichzeitig an und stoßen ab). All dies gibt ihren Skulpturen Tiefe; macht sie reich an Bedeutung und Gefühlen.


Meiner Meinung nach ist es ihr wichtig, die Widersprüche des Lebens und die Kraft einer wilden, unkontrollierbaren und allgegenwärtigen Natur zu betonen; hierfür verwendet sie beinahe ironisch die Produkte einer hochindustrialisierten Technokratie, die das Bild einer gezähmten, kontrollierten und idealisierten Natur vermitteln. Daniela Bergschneider weiß, dass die Natur nicht auf diese Art und Weise funktioniert. Ihre Arbeit erinnert uns daran, dass das Leben komplex ist, in Bewegung, stetiger Veränderung – und deshalb nicht von uns beherrscht und kontrolliert werden kann.


Humberto Junca, Bogotá, November 5 2016


Daniela Bergschneider

*19.08.1986, Paderborn, Deutschland, lebt und arbeitet in Paderborn


Vita Daniela Bergschneider (PDF)


Ausbildung

2015

Gasthörerin an der Kunsthochschule Mainz, Klasse Sabine Groß


2012 – 2015

Studium MA Textildesign an der HAW Hamburg


2009 – 2012

Studium des kulturwissenschaftlichen Zwei-Fach-Bachelor Mode-Textil-Design und Germanistische Sprachwissenschaft

DBE_001

o.T., 2014/2017

Stoff, Holzstäbe

80 x 55 x 15 cm

DBE_003

o.T., 2014/2017

Stoff, ausgebrannt,

thermoplastisch verformt

260 x 150 x 45 cm

Tagesblatt, 2014-2015

(Auswahl)

Acryl und Garn auf Papier

je 15,5 x 11,5 cm

(Rahmen 26 x 20 cm)

o.T., 2017

Folie, thermoplastisch verformt

12 x 23 x 20 cm

DBE_002

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