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Andrea Hild

Andrea Hild

In Andrea Hilds Arbeiten, die mit dem Überbegriff 'Memory Shots' bezeichnet werden können, findet der Versuch statt, das Phänomen „Fotoalbum“ in Zeichnungen und Erzählungen zu erfassen –- oder vielmehr den Moment, der in der Fotografie festgehalten wird und den der Besitzer des Fotoalbums als „erinnerungswürdig“ empfand.


Das Ausgangsmaterial entstammt dabei Familienfotoalben, die sie auf Flohmärkten finde. Es sind Porträts, Bilder von Ausflügen und Feiern. Alte Fotografien erwecken ambivalente Gefühle, denn auf der einen Seite wollen sie einem vermitteln, "das war genau so" – das Foto ist der Beweis. Alle lachen. Das war ein schöner Tag. Der Ersteller des Fotoalbums möchte uns genau dies glauben machen. Auf der anderen Seite ist man sich bewusst, dass eine Fotografie nicht die Realität repräsentieren muss. War die Situation (der „Memory Shot“) eventuell nur gestellt? In ihren Arbeiten möchte Andrea Hild dabei an der Oberfläche kratzen und das Unausgesprochene, das, was sich da eventuell hinter der Pomade, der Hochsteckfrisur und der Geburtstagstorte verstecken mag, herauskitzeln. So wird die Geschichte, die der Macher des Fotoalbums erzählen wollte, weitergesponnen.


Getrude Stein hat sehr trefflich den Begriff „Erzählen“ erklärt: Worte wurden irgendwann erfunden, um eine bestimmte Geschichte zu erzählen. Jahrzehnte oder Jahrhunderte später verwenden wir immer noch die gleichen Worte, aber erzählen eine neue Geschichte. Andrea Hild kann dies exakt auf ihre Arbeitsweise übertragen. Sie verwendet Fotografien, die von einer Person irgendwann einmal gemacht wurden, um damit etwas zu erzählen. Sie löst die Menschen in den Bildern aus ihrem früheren Kontext, kombiniere sie mit anderen Menschen aus anderen Fotografien und erzähle damit eine neue Geschichte.


Das Material, das Andrea Hild dabei verwendet, spiegelt die Merkmale, die der Fotografie zugeschrieben werden, wieder, z.B. ihre Reproduzierbarkeit. Radierungen sowie Zeichnungen auf Transparentpapier können reproduziert werden. Die Wiederholung ist ein immer wiederkehrendes Thema in ihren Motiven.


Fäden und Nadeln schlagen dabei die Brücke zur Realität. Sie stehen für Seile, Schlingen, Angenähtes, schlängeln sich durch die einzelnen Transparentpapierschichten und verbinden, die verschiedenen Erzählebenen miteinander. Es entsteht ein greifbareres Geflecht. Optisch, wie auch inhaltlich. Dennoch bleiben sie Metaphern.



Andrea Hild

*1983, Deutschland, lebt und arbeitet in Berlin


Vita Andrea Hild (PDF)


Vertretung

Galerie Tristan Lorenz, Frankfurt a. M.

Galerie Kristine Hamann, Wismar


Ausbildung und Arbeit

2013

Arbeitsaufenthalt in Shanghai, China


2011

Ernennung zur Meisterschülerin, Nominierung für den Preis des Präsidenten der Universität der Künste, Berlin


2010 – 2011

Meisterschülerstudium, Klasse von Prof. H.-J. Kristahn und Prof. M. Lammert, UdK


2009 – 2010

Studium der Bildenden Künste, Klasse von Prof. H.-J. Kristahn, UdK, Berlin


2006 – 2007

Arbeitsaufenthalt in Southend-on-Sea, UK


2003 – 2008

Studium der Kunstpädagogik < Anglistik / Amerikanisik, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Puppets II, 2017

Tusche mit Faden auf transparentem Papier, Nadel

60 x 60 cm

Andrea Hild

Aber wo würden sie leben?, 2012

Tusche mit Faden auf transparentem Papier, Nadel

70 x 100 cm

Andrea Hild

Tänzerinnen, 2012

Tusche mit Faden

auf transparentem Papier

je 50 x 35 cm, 2-teilig

Andrea Hild

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